David Grossmann erhielt Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln 2024
„Die Jury des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels würdigt David Grossman mit dem Ehrenpreis für Toleranz in Denken und Handeln und zeichnet damit einen Autor und öffentlichen Intellektuellen aus, dessen gesamtes Werk erzählerische Kraft und sprachliche Meisterschaft mit dem Geist der Aufklärung und des Dialogs verbindet. David Grossmans literarisches Schaffen, das in über 30 Sprachen übersetzt wurde, ist geprägt von einer einzigartigen Fähigkeit, die Wunden und Hoffnungen einer konfliktreichen Region in Worte zu fassen. Er beweist, dass durch Empathie, Zuhören und den Mut zur Reflexion Wege aus der Spirale von Konflikt und Feindseligkeit möglich sind. Als Friedensaktivist tritt David Grossman darüber hinaus seit Jahrzehnten für eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinenser:innen ein. Er fordert einen differenzierten und einfühlsamen Umgang mit den Schicksalen aller Beteiligten, unabhängig von Herkunft oder politischer Gesinnung. Seine Stimme, die für Versöhnung und Menschlichkeit plädiert, wird weltweit gehört und geschätzt“, begründet HVB-Präsident Benedikt Föger den Entscheid der Jury.
Über David Grossman
David Grossman, 1954 in Jerusalem geboren, ist einer der führenden israelischen Schriftsteller seiner Generation. In seinen Werken beschäftigt er sich mit dem Trauma des Krieges und den Aussichten auf Frieden, sowie mit Liebe, Eifersucht und Familienbeziehungen – darunter sein Debüt-Roman „Stichwort: Liebe“, „Der gelbe Wind“ und sein Bestseller „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“. Er ist Autor von 14 Romanen, sechs Sachbüchern und 16 Kinderbüchern; seine Werke wurden weltweit in 45 Sprachen übersetzt. David Grossmans Texte sind in internationalen Zeitschriften wie u.a. The New Yorker, The Guardian, De Standaard, Frankfurter Allgemeine Zeitung, The New York Times erschienen, und mehrere seiner Bücher wurden für internationale Bühnen- und Filmproduktionen adaptiert. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören der Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der International Man Booker Prize und der Chevalier de l’Ordre des Artes et des Lettres.
Nach dem Erscheinen seines Buches Der gelbe Wind, eines kritischen Berichts über die israelische Besatzung des Westjordanlandes, wurde er im November 1988 vom Radiosender entlassen, weil er sich weigerte, in der von ihm moderierten Morgensendung zu verschweigen, dass die Palästinenserführung unter Jassir Arafat einen eigenen Staat ausgerufen und das Zwei-Staaten-Prinzip und damit den Staat Israel anerkannt hatte. Grossman brachte den Fall vor Gerichte, und seine Entlassung wurde in der Knesset behandelt, worauf ihn der Radiosender wieder einstellte. Während eines Sabbatjahres, das er zum Schreiben eines seiner Romane nutzte, entschied er sich, nicht zum Radio zurückzukehren. Grossman beklagte die geringe Solidarität anderer Radiomitarbeiter.
David Grossman lebt in Mewasseret Zion, einem Vorort Jerusalems. Er trat als Friedensaktivist hervor. 1989 wurde er für sein Engagement mit dem Mount Zion Award ausgezeichnet. In mehreren Büchern äußerte er sich kritisch zum Nahostkonflikt. Er gehört zu den Unterzeichnern der Genfer Friedensinitiative von 2003. Im August 2006 forderte er gemeinsam mit Abraham B. Jehoshua und Amos Oz von Israels Regierungschef Ehud Olmert ein sofortiges Ende der Kämpfe im Libanon.
Wenige Tage später, am 12. August 2006, fiel Grossmans jüngster Sohn Uri als Mitglied einer Panzereinheit im Südlibanon. An der Beerdigung am 15. August in Jerusalem sagte er: „Ich werde jetzt nicht vom Krieg sprechen, in dem du getötet wurdest. Wir, unsere Familie, wir haben ihn schon verloren. Israel wird nun sein Gewissen befragen müssen. Und wir schliessen uns in unserem Schmerz ein.“
Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hielt er die Gedenkrede für die von der Hamas Ermordeten, Gefolterten und Verschleppten bei der Trauerfeier der Kibbuzbewegung am 16. November 2023. Ende Juli 2025 erklärte Grossman – „mit gebrochenem Herzen“ – Israel begehe einen Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen.